Was PVGIS berechnet
PVGIS rechnet aus, wie viel Licht auf die Module fällt und wie viel Strom daraus wird. Es berücksichtigt den Sonnenstand, das Wetter vieler Jahre, den Horizont an deinem Standort, die Temperatur der Module und pauschale Verluste für Alterung, Kabel und Wechselrichter.
Den Ertrag bestimmen nach Simons Gliederung sechs Dinge: Strahlung, Untergrund, PV-Modul, Kabel, Wechselrichter und Schattenwurf. PVGIS deckt davon den größten Teil ab.
Schritt für Schritt
- Sprache einstellenPVGIS lässt sich auf Deutsch umstellen.
- Standort wählenAdresse eingeben oder auf der Karte klicken. PVGIS zeigt danach das Geländeprofil.
- Horizont prüfenDie Horizontlinie zeigt, wann Berge oder Hügel die Sonne verdecken. Eigene Schatten durch Häuser oder Bäume lassen sich als Schattendatei hochladen.
- Datenbank und Modulart wählenFür Deutschland stehen mehrere Strahlungsdatenbanken zur Wahl. Simon hat mit PVGIS-SARAH und PVGIS-SARAH2 gerechnet.
- Leistung und Verluste eingebenDie Spitzenleistung in kWp und die Systemverluste. Voreingestellt sind 14 Prozent.
- Neigung und AusrichtungNeigung in Grad gegenüber der Waagerechten. Die Ausrichtung heißt bei PVGIS Azimut und zählt ab Süden: 0 Grad ist Süden, negative Werte gehen Richtung Osten, positive Richtung Westen.
- MontageartFreistehend, gebäudeintegriert oder nachgeführt. Bei Simons Beispiel mit 0,6 kWp nach Süden und 40 Grad Neigung ergab freistehend 672 kWh im Jahr, integriert 647 kWh, nachgeführt 893 kWh.
- Ergebnis lesenPVGIS zeigt den Ertrag je Monat und Jahr sowie die Schwankung von Jahr zu Jahr.
Stärken von PVGIS
PVGIS ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Es rechnet mit hochauflösenden Wetter- und Satellitendaten und legt seine Rechenmodelle offen. Grundsätzlich taugt es auch für Solarthermie.
Grenzen von PVGIS
Diffuses Licht, Staub in der Luft, Winkeleffekte und das Verhalten von Modul und Wechselrichter muss PVGIS schätzen. Für Deutschland gibt es eine einzige Messstation des weltweiten Referenznetzes, mit der die Daten abgeglichen werden.
Die Modulleistung musst du selbst eingeben, und die Angabe auf dem Datenblatt gilt unter Laborbedingungen. Bifaziale Module rechnet PVGIS nicht. Und es kennt nur einen Winkel je Berechnung: Ost-West-Anlagen musst du in zwei Rechnungen aufteilen.
Prognose und Messung im Vergleich
Simon hat PVGIS gegen die eigene Messung gestellt. Testanlage: 0,6 kWp, 20 Grad Neigung, leicht nach Westen gedreht (Azimut 10 Grad), Süddeutschland. Gemessen 2022 mit einem Shelly-Zähler.
Monatsertrag der Testanlage 2022, gemessen gegen PVGIS-Prognose.
gemessen (Shelly)PVGIS-Prognose, 20 Grad
| Monat | gemessen | PVGIS (20 Grad) |
|---|---|---|
| April | 75,9 | 73,1 |
| Mai | 99,0 | 78,6 |
| Juni | 101,3 | 82,0 |
| Juli | 105,3 | 80,5 |
| August | 99,9 | 74,8 |
| September | 57,1 | 59,9 |
| Oktober | 45,7 | 41,2 |
| April bis Oktober | 584,1 | 490,1 |
| Dezember | 13,6 | 16,3 |
Monatswerte gerundet; die Summe ist aus den ungerundeten Messwerten gebildet.
Von April bis Oktober lag die Prognose rund 16 Prozent unter dem, was tatsächlich ankam. Im September und im Dezember war es umgekehrt: Da blieb die Anlage unter der Prognose.
PVGIS liefert damit einen brauchbaren Durchschnitt. Für ein einzelnes Jahr und erst recht für einen einzelnen Monat ist es eine grobe Schätzung. Wer seine Anlage prüfen will, misst selbst.

Häufige Fragen
Ist PVGIS auf Deutsch verfügbar?
Ja. Die Sprache lässt sich in PVGIS auf Deutsch umstellen.
Wie genau ist PVGIS im Vergleich zur Realität?
Bei Simons Testanlage lag die Prognose für April bis Oktober rund 16 Prozent unter der Messung, im Dezember darüber. Als Durchschnitt brauchbar, für einzelne Monate grob.
Kann PVGIS bifaziale Module berechnen?
Nein. Der Gewinn durch die Rückseite fehlt in der Rechnung.
Wie rechne ich eine Ost-West-Anlage?
In zwei Rechnungen, eine je Seite, und die Ergebnisse addieren.
Was bedeuten die 14 Prozent Systemverluste?
Pauschale Verluste in Kabeln, Wechselrichter und durch Alterung, die PVGIS voreinstellt. Du kannst sie ändern.
Was kostet PVGIS?
Nichts. Kostenpflichtige Programme wie PV*Sol Premium (rund 1.300 Euro) oder PVScout Premium (rund 500 Euro) rechnen mehr Einzelheiten durch, Stand 2023.